Archiv für die Kategorie ‘Bücher’
Holzfällen
Ein nicht sonderlich erfolgreicher Schriftsteller sitzt auf einem Ohrensessel bei einem künstlerischen Abendessen, zu dem er nicht erscheinen wollte, aber dennoch gekommen ist und lässt sitzend in diesem Ohrensessel nicht nur die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren, wie der Umstand des Todesfalls einer lang nicht gesehenen, aber dennoch stark gemochten Freundin, das Ja-Sagen zu dieser Einladung zum künstlerischen Abendessen verursacht hat, sondern erinnert sich auch an die Zeit zu der er diese Freundin noch gut kannte, und an ihre als auch damals seine Gesellschaft, die sie umgab. Während dieses Abendessen nicht beginnen kann, weil alle auf einen Burgschauspieler warten, der viel zu spät nach seiner Vorstellung im Burgtheater ankommt, lästert der Schriftsteller unablässig über die Verlogenheit und Dekadenz der Wiener Künstlergesellschaft. Er debattiert mit sich selbst, wie lange er doch dieser ignoranten Gesellschaft entkommen ist und nun mit einem Schlag wieder die verhassten Gesichter, die hochmütigen Nasen, falsch und voller Heuchelei, ertragen muss, und mit welcher Taktik er wieder in diese, nämlich eben diese Gesellschaft, hineingesogen wurde. Bei all dem Mokieren über die Künstlergesellschaft, beginnt er sich selbst zu verachten, denn er war und ist nun wieder Teil von ihr, und anstatt geradlinig ihr den Rücken zu kehren, führte ihn seine eigene Verlogenheit an diesem Abend zu der Einladung, zu dem künstlerischen Abendessen. So richtet er das widerwärtig abstoßende Gefühl nicht nur gegen sie, die Gesellschaft, sondern auch gegen sich selbst; eine Tatsache, die eine magenumdrehende Wirkung erzeugen muss.
Der Künstler kommt schließlich, lässt seine Gefallsucht befriedigen und beherrscht jedes notwendige Detail, um den gegebene Schleim wieder retour mit gekonntem Charme zurückzuschmieren. Doch eine der Anwesenden greift den Burgschauspieler an und er rutscht plötzlich in eine ehrliche Welt ab und sagt allen gehörig die Meinung, bis alle wieder da enden, wo sie bereits seit Jahren sind, die Welt in der die Knollen höher getragen werden, selbst wenn es dort oben nichts zu riechen gibt. Alle gehen, verabschieden sich und auch der Schriftsteller vollführt seinen Part gekonnt, trotz anschließendem Übelsein.
Das Buch liest sich trotz seiner langen Sätze, fehlenden Absätze und nicht existenten Kapiteln flüssig und direkt. Das Buch ist eine Verteilung von Watschen an genau jene Künstlergesellschaft, die sich bei Veröffentlichung des Buches angesprochen und angegriffen fühlten, mit sprachlicher Direktheit und doch mit der gleichen feinen Ignoranz, die diese Gesellschaft aufopfernd lebt.
Wie auch immer, muss ich sagen, dass mich das Buch gelangweilt hat. Die Klagen selbst, scheinen eben genau die gleiche langweilige Leere zu haben, wie die heuchlerische Welt aus vielen Luftblasen, aus der diese Gesellschaft bestand und besteht.
Mann und Frau
Der zweite Teil der Trilogie Zeruya Shalevs handelt über ein israelisches Ehepaar, denen es nicht an Liebe zueinander fehlt, aber ein Stau von Gefühlen, Urteilen und Vorwürfen, die Beziehung dermaßen überschattet, dass die Ehe zu einer aussichtslosen, kränkenden Stagnationssituation geworden ist, die beide Partner unglücklich macht. Die tief greifenden Gründe für das Scheitern der Ehe liegen in zwei längst vergangen Ereignissen, die nie verziehen wurden. Na’ama hat sich zu Schulden kommen lassen, dass sie ihren Mann Udi, vor der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, geistig (nie körperlich) mit einem Maler betrogen hat. Der Maler liebte sie, ihre Schönheit und Anmut, hat sie aber in ihrer Freiheit nie eingeengt. Als Na’ama von ihrem Mann erblickt wurde, als sie beim Fremden am Fenster stand, hat sie ihr Gewissen, ihre Schuld dermaßen aufgeblasen, dass Udi ihren Betrug nicht verkraften konnte. Das Ereignis auf Udis Seite war, dass er seine herzgeliebte Tochter als Baby vom Balkon hat fallen lassen. Das Kind trug keine Schäden von dem Unfall, dennoch konnte Na’ama die Unachtsamkeit ihres Mannes ihm nie verzeihen. Die innige Beziehung zwischen Tochter und Vater ging verloren.
Die gegenseitigen Vorwürfe und Beleidigungen in der Beziehung sind für Udi und Na’ama zu einem verzweifelten Alltag geworden und beide sind allein in ihrem gemeinsamen nicht aufhören wollenden ermatteten Strudel. Na’ama empfindet keinen Stolz bei dem was ihr Mann macht, der Reiseführer ist und immer wieder lange Zeit von zu Hause weg ist und Udi beleidigt Na’amas Kampf als Sozialarbeiterin für junge schwangere Mädchen. Durch und durch fehlt es der Ehe an Akzeptanz, Aufklärung und Vergebung, dass kein Weg aus diesem Frust zu existieren scheint, bis Udi eines Morgens mit schwer psychosomatischen Zuständen aufwacht. Anfangs ist er gelähmt, später verliert er sein Augenlicht für kurze Zeit, dann überkommt ihn wieder die Bewegungslosigkeit. Udis Krankheit scheint nach Wochen der Bettlägerigkeit nicht aufhören zu wollen.
Ihre gemeinsame Tochter Nogi, zu verwöhnt aufgezogen nach ihrem Unfall und ausgestattet mit einem starken kindlichen Egoismus, flammt die beruhigenden Momente zwischen Mann und Frau, die sich während der Krankheit immer wieder zu erkennen geben, wieder auf. Sie erschwert die Situation ungemein und füllt den wenigen Freiraum, die beide Partner nun hätten, um wieder zueinanderzufinden, auf und lässt nichts für Gutgesinnung in dieser Familie übrig.
Na’ama bittet schließlich eine Wunderheilerin ihnen zu helfen und tatsächlich bessern sich die psychosomatischen Erscheinungen von Udi. Na’ama erkennt da noch nicht, dass die Besserung eigentlich auf die Entscheidung von Udi beruht, die er nach seiner Genesung endgültig trifft, nämlich auszuziehen. Na’ama ist einerseits verzweifelt und wünscht sich ihren Mann zurück, der mit der Wunderheilerin davon gefahren ist, andererseits ist ihr innerer Kampf ihn halten zu wollen nur gering, da sie längst die Aussichtlosigkeit in der Beziehung gesehen hat. Na’ama hat daraufhin ein sexuelles Erlebnis mit einem Architekten, der sie kurzfristig zu leidenschaftlichen, ihr unbekannten, Höhen bringt, und vollzieht nun endlich ihren Betrug, der ihr all die Jahre vorgehalten wurde. Doch bald stellt sich heraus, dass es bei einer sehr kurzen Äffäre bleibt, da diese ihr scheinbar nur zu einem Abschluss ihrer eigenen Vergangenheit hilft, sie aber weder erfüllt noch weiter leidenschaftlich zu ungeahnten Erregungen bringt.
Während der Zeit, als Udi fort ist, findet Na’ama endlich einen Weg zu ihrer Tochter und eine Freundschaft entwickelt sich zu ihrem Kind. Alles beruhigt sich, die aufgestaute Wut findet endlich ihren Platz in der Vergangenheit, was dann plötzlich doch der ganzen Familie die Chance auf eine neue Zukunft, mit der vertrauten Liebe, gibt.
Zeruya Shalev hat es abermals geschafft, einen zwei Tage lang mit nichts mehr als Tee zu Hause festzuhalten. Die prekäre Situation in dieser Ehe, die bis zum Ende hindurch wirkt, als ob alles auf einem seidenen Faden hängt, endet schließlich doch mit dem, wenn auch unsicheren, Sieg der Liebe zueinander, selbst wenn Jahrzehnte der Wut beide Partner begleitet haben. Der Autorin gelingt es ein weiteres Mal, einem seine eigenen Fehler in Beziehungen zu Menschen zu zeigen, obwohl die Protagonisten einem, so wie im ersten Teil, fremd vorkommen. Mit keinen der Charaktere könnte ich mich auch nur annähernd identifizieren, dennoch wurde mir beim Lesen meine eigene Naivität in Bezug auf Nächstenliebe bewusst.
Shalev, Zeruya. Mann und Frau. Berliner Taschenbuch Verlag, 2002. ISBN-13: 978-3833302695.
Fromms Beispiel Adolf Hitler
Die Lebensgeschichte Adolf Hitlers
Ohne den genauen Inhalt von Fromms Buch wiederzugeben, so doch ein paar Eckpfeiler aus seinem Leben. Die Quellen, die Fromm herangezogen hat sind:
- B.F. Smith (1967): Adolf Hitler, His Family, Childhood and Youth,
- W. Maser (1971): Adolf Hitler, Legende, Mythos, Wirklichkeit,
- A. Kubizek (1953): Adolf Hitler, Mein Jugendfreund,
- A. Hitler (1925/26): Mein Kampf.
Hitlers Eltern Alois und Klara
Alois Hitler, geboren als uneheliches Kind mit dem Namen Schicklgruber (nach seiner Mutter), gelangte mittels eigener Kraft und Disziplin zu Erfolg als Beamter im österreich-ungarischen Zolldienst. Schließlich stieg er zur Stellung eines Oberoffizials auf und erlangte so trotz bäuerlicher Herkunft zu einer angesehenen Stellung im Bürgertum. Er war ein sparsamer Mann und genoss es stets mehrere Frauen (sexuell) zu lieben und hatte Interesse an der Bienenzucht. Er war zwar streng in seiner Erziehung (was zu dieser Zeit nicht unüblich war), aber keineswegs ein Tyrann (wie er oft dargestellt wird) und war im Großen und Ganzen einer der das Leben genoss, aber das mit Disziplin.
Klara Hitler, Alois’ Nichte und Frau, war eine freundliche und liebenswürdige Person, die immer mit vorzüglichster Genauigkeit den Haushalt führte. Sie war zwar gekennzeichnet durch die Schicksalsschläge (sie verlor Geschwister und ihre eigenen Kinder aufgrund deren schwachen Konstitution), kümmerte sich jedoch immer behutsam um die Kinder aus erste Ehe Alois’ und ihre eigenen.
Hitler als Kind
Adolf genoss bis zu seinem fünften Lebensjahr die volle Liebe seiner Mutter und durfte alles was er wollte. Im Kleinkindalter zeigte er, dass er die Mutter beherrschte, indem er mit Wutanfällen alles bekam, was er wollte. Als Adolf fünf war, bekam er einen Bruder, und wie zu erwarten, ist dies für alle Kinder, die zuerst alleine die Mutterliebe haben, immer eine Veränderung, wenn sie diese plötzlich teilen müssen. Hitler war jedoch lt. Quellen nicht eifersüchtig auf seinen Bruder und freute sich sogar auf ihn. Außerdem war zu diesem Zeitpunkt sein Vater ein Jahr lang in Linz und die Familie blieb wegen des Neugeborenen in Passau. Hitler konnte so tagtäglich mit seinen Freunden Kriegsspiele führen und genoss seine Freiheiten in dem Jahr als sein Bruder geboren wurde.
Eine größere Veränderung muss der Umzug nach Hafeld bei Lambach gewesen sein, als sein Vater in Ruhestand ging. Adolf kam ins Schulalter und lernte erstmals Disziplin und Freiheitseinengung kennen. Täglich ging er zu Fuß in die Dorfschule in Fischlam bei Hafeld, wo er sich (zumindest wirkte es so) gut einfügte und gute Noten schrieb. Nachwievor waren für Hitler die Soldatenspiele, in denen er seine Freunde neue Taktiken erklären konnte, äußerst wichtig und waren zu dem Zeitpunkt die Abwechslung zu seinem disziplinierten Schulleben geworden. Den Rest des Beitrags lesen »
Kurzdiskussion Fromm vs. Lorenz – unterschiedlichen Ansichten
Der folgende Eintrag ist eine Besprechung von Fromms Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ in dem er zu großen Teilen das Buch von Lorenz „Das sogenannte Böse“ kritisiert und Lorenz als Person und als Vertreter der Trieblehre nicht in der Welt der Psychologie des Menschen akzeptiert. Diese bescheidene Analyse soll einerseits Allgemein erfolgen und andererseits an einer von Fromms wichtigsten Elementen seiner These, nämlich, wie er den Begriff Charakter versteht.
Allgemeiner Diskurs
Fromms Kritik an Lorenz beruht einerseits auf der Tatsache, dass Lorenz ein Verhaltensforscher der Tierwelt ist und nicht den Menschen als eigentliches Untersuchungsobjekt „unter seinem Mikroskop“ hat und andererseits, dass Lorenz zu „salopp“ mit seiner Thesenerstellung vorgeht, indem er [tatsächlich] keine Literatur verwendet, um seine Thesen zu untermauern, und, dass er zu rasche Schlussfolgerungen [auch wenn sie vielleicht stimmen mögen] zieht, ohne [wie es scheint] eine wissenschaftliche Methodik dabei zu verwenden. Ein weiterer Punkt von Fromm ist, dass Lorenz’ Wahl der Tiere (eben hpts. Fische und Gänse) eher Arten sind, die, evolutionär gesehen, weiter vom Menschen entfernt sind als bspw. Affen und daher seine Folgerungen nur vage Annäherungen sein können und keine fundierten Beweise.
Konrad Lorenz hat sich der Verhaltungsforschung hingegeben und demzufolge ist er ein Forscher der stets den induktiven Weg der Methodik wählen wird – was er auch in seinem Buch angibt. D.h. seine Bekennung zu der eben erwähnten Disziplin erfordert von sich aus Induktion. In der Hinsicht, geht Lorenz keineswegs unachtsam vor, sondern führt viele Beispiele von aggressivem Verhalten bei Tieren an [auch wenn man hier das Argument bringen könnte, dass die aufgezählten Beispiele zu wenige sind, um Thesen aufstellen zu können]. Gegenteiliges ist bei den Beispielen von Aggressivität bei Menschen zu finden; diese Exempel scheinen weder gut ausgewählt noch ausreichend beobachtet worden zu sein. Worin ich also Fromm durchwegs recht gebe, ist, dass Lorenz zwar in seinem Gebiet sehr versiert ist, sein Induzieren aber dann vorschnell durchführt und die Äquivalent-Beispiele vom Menschen nie hundertprozentig passend erscheinen. Den Rest des Beitrags lesen »
Das sogenannte Böse
Konrad Lorenz illustriert in seinem Buch „Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression“ mittels einer Vielzahl von bildhaften Beschreibungen von aggressivem Verhalten im Tierreich, wie die Aggressivität des Menschen zu verstehen ist. Nach Lorenz sind dem Menschen (wie auch jedem Tier) überlebenswichtige Triebe angeboren, u.a. der Aggressiontrieb, der zur Aufgabe die Selbstverteidigung, die Nahrungsmittelrevierverteidigung und die Ausbildung von Hierarchien hat. Wie bereits erwähnt, basiert seine Argumentationslinie auf vielen Beispielen im Naturreich, vor allem auf Beobachtungen seinerseits von aggressivem Verhalten bei Fischen (Korallenfische lebend im Habitat und/oder im Aquarium) und verschiedenen Arten von Gänsen.
Da Lorenz die Aggression zwischen den Menschen untersucht, geht er im Besonderen auf die intraspezifische Aggression (Aggression innerhalb der Art) ein. Hier skizziert er einerseits die blutigen Kämpfe zwischen zwei Fischen gleicher Art, als auch die „ritualisierte Form“ von Aggression intraspezifischer Natur. Letzteres dient dem Sinn der Arterhaltung, da ein Zurschaustellen der Aggression, d.h. Drohgebärden, um seinen Standpunkt seinem Gegenüber klar zu machen, meist ausreicht und ein tätlicher Kampf nicht vonnöten ist. Würden solche Kämpfe tatsächlich immer blutig verlaufen, würde sich die Art selbst vernichten und dies wäre wider der Natur. Mit dieser Evolution haben sich verschiedene Formen von Mechanismen entwickelt ohne tätlicher Aggression seinen Platz bzw. sein Revier definieren zu können: Hier sind z.B. Duftmarkierungen oder auch bei der Paarungssuche das prachtvolle Haarkleid von Vögeln zu nennen.
Mittels induktiver Forschungsmethode schließt Lorenz von der Verhaltenslehre im Tierreich auf das Aggressionspotential des Menschen, das er auch beim Homo sapiens den Trieben zuschreibt. Er ermahnt den Leser rein den behavioristischen Ansatz als Erklärungsmodell herzunehmen und gibt u.a. das Beispiel der „non-frustration children“ an. [In Amerika wurde der Versuch gemacht, Kinder vor jeglicher Enttäuschung und Ermahnung zu schützen. Indem sie eine "schöne Umgebung" vorgelebt bekamen, sollte ihr aggressives Verhalten nahezu bei Null liegen. Die Kinder legten jedoch ein äußerst freches Verhalten an den Tag und die Erziehungsmethode war gegen den Erwartungen nicht aggressionsmindernd sondern eher -fördernd.] Die Lösung für eine Minderung der Aggression zwischen der Menschen liegt also nicht in der Umgebung, die sie erzieht, sondern liegt im Menschen selbst. Ist er erst bereit – und hiermit verteidigt Lorenz 1963 massiv den Darwinismus und die Verhaltensforschung – sich seiner selbst in dem Sinn bewußt zu werden, dass er von Trieben geleitet ist, wird er auch fähig sein, den Aggressionstrieb seiner Vernunft zu unterstellen. Da lt. Lorenz Aggression mit dem „psychohydraulischen Instinktmodell“ zu erklären ist, d.h. das „Becken“ füllt sich solange auf, bis es übergeht und eine Entladung (zeigen von Aggression) notwenig ist, sind Sport und andere Abreagierungstätigkeiten Mittel um Aggression zwischen Menschen zu vermeiden.
Lorenz erklärt somit, dass wenn der Mensch fähig ist, seine Aggression zu kontrollieren und sich selbstständig rechtzeitig abreagiert, besteht die Möglichkeit die Menschheit wesentlich zu verbessern, mit anderen Worten: Lorenz gab mit diesem Buch vielen Menschen Hoffnung, dass sie nicht in ihrer Umgebung, an der sie nichts ändern können, gefangen sind und damit ihr aggressives Verhalten nicht lenken können, sondern, dass sie frei in ihrem Verhalten sind und es mit genügend Verständnis individuell beherrschbar ist.
Lorenz, Konrad. Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. Dtv, 1998. ISBN-13: 978-3423330176. (Text bezieht sich auf eine ältere Ausgabe des Buches aus dem Jahre 1985.)
III – Geschichte der griechischen Mythologie
Es folgen Geschichten über Halbgötter…
Ödipus
Laios (Sohn von Harmonia, Tochter von Ares und Aphrodite, und dem Menschen Kadmos, Sohn von Agenor aus Palästina) wurde vorausgesagt, dass sein Sohn ihn umbringen und die eigene Mutter heiraten werde, und so wurde Laios’ Sohn Ödipus ausgesetzt. Ödipus wurde von einem Hirten erzogen und als er alt genug war, traf er – ohne sein Wissen – seinen eigenen Vater und tötete ihn bei einer Streitigkeit über unklare Vorfahrtsregeln auf der Straße. Daraufhin zog Ödipus nach Theben und befreite diese von dem menschenfressenden Ungeheuer Sphinx, nachdem er ihr Rätsel gelöst hatte: „Was geht erst auf vier, dann auf zwei, dann auf drei Beinen?“ Nach der Befreiung heiratete er die Königin namens Jokaste, welche seine eigene Mutter war.
Als in der Stadt die Pest ausbrach fragte Ödipus das Delphische Orakel um Rat, welches ihm anriet den Mörder Laios zu vertreiben. Der blinde und zweigeschlechtliche Teiresias eröffnete ihm, dass er selbst der Mörder seines Vaters war und er mit seiner Mutter Verkehr führte. Ödipus war außer sich und stach sich mit einer Nadel in die Augen, sodass er erblindete.
Herkules
Herkules entstand aus einer Liebschaft zwischen Zeus und Alkmene (Tochter vom König von Mykene) und wurde bekannt durch seine zwölf mühsamen Arbeiten. Den Rest des Beitrags lesen »
Anatomie der menschlichen Destruktivität
Theorie und Kritik an Lorenz
Das Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ von Erich Fromm ist einerseits eine Antwort auf Lorenz’ Buch „Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression“ und andererseits eine Diskussion über die Destruktivität des Menschen, welche nur diesem Wesen und keinem anderen inne ist. Fromm widerspricht Lorenz, einem Natur- und Triebforscher, dass seine populär-wissenschaftliche Veröffentlichung zwar vielen Menschen eine angenehme Antwort auf die Frage nach dem Bösen des Menschen bietet (nämlich, dass die Aggression durch einen sich ständig aufladenden Trieb, der sich im Endeffekt immer wieder entladen muss [zeigen von Aggression] geregelt und somit jedem Menschen angeboren ist), aber diese Erklärung auf keiner fundierten weder biologisch/evolutionär noch experimentell wissenschaftlichen Arbeit gegründet ist. [Ich kann in der Hinsicht nur zustimmen, da ich das Buch von Lorenz so eben bekommen habe und keine Literaturangaben darin zu finden sind. Weitere Analysen über Fromms Kritik erlaube ich mir erst nach Lesen des Buchs von Lorenz.]
Fromm versucht nicht nur Lorenz’ Idee mit Hilfe sämtlicher anderer Literatur theoretischer und praktischer Natur zu widerlegen, sondern erklärt sich auch nicht mit der behavioristischen Erklärung der Aggression, die gegenteilig zu den Triebforschern alle „Verhaltensweisen, [so auch die Aggression, als] angelernt [sieht, um sich] einen möglichst großen Vorteil zu erringen“ (Fromm, 61). Fromm geht bei der Begründung, warum er schließlich zur Psychoanalyse für die Erklärung der menschlichen Destruktivität greift, sehr gründlich vor. Er geht sogar soweit, die Gemeinsamkeiten von Trieblehre und Behaviorismus herauszufiltern: Den Rest des Beitrags lesen »
II – Geschichte der griechischen Mythologie
Aphrodite
Kommen wir zurück zu Aphrodite, die einst aus dem schaumigen Meer geboren wurde und Kind von Zeus war. Obwohl sie verheiratet war mit Hephaistos, konnte sie, ebenso wie ihr Vater, ihre Libido nur kaum im Zaum halten.
Kurzer Exkurs: Wer ist Hephaistos? Kronos (Sohn von Uranus und Mutter Erde, Gäa) hatte mit Rhea nicht nur Zeus als Kind sondern auch diese, die er einst verschluckte (siehe Geschichte der griechischen Mythologie – Teil 1), nämlich Hestia, Demeter, Hera, Hades und Poseidon. Hephaistos ist Sohn von Hera und ihrem Gatten Zeus, der auch (genau!) ihr Bruder war. Aus der Ehe entsprang auch noch Ares, der Kriegsgott und Hephaistos galt als Schmied.
Zurück zu Aphrodite: Sie verführte unter anderen Hephaistos Bruder Ares und mit Dionysos zeugte sie Priapus, dessen Genital so hässlich war wie der Rest seines Körpers und Antlitzes.
Sie teilte auch das Bett mit Sterblichen, wie z.B. Anchises und gebar Aeneas, der dadurch bekannt war, dass er als einziger Trojaner dem Inferno der Stadt entkam und Rom gründete. Und zu guter letzt erzähl ich noch von dem Verkehr mit Adonis, woraufhin Ares so wütend war, dass er diesen verwandelt als Eber zerrieß.
Hermes
Auch Atlas hat eine Tochter, nämlich Maia und ist Mutter von Hermes; und wie könnte es anders sein – Zeus ist der Vater, auch von Hermes. Hermes, der Götterbote, war hochbegabt, intelligent und daher auch bekannt durch seine Straffälligkeit. Er erfand das Alphabet, die Tonleiter, das Boxen und anderes und hatte zwei Söhne, die seine Begabungen zu gleichen Teilen erbten: Autolykus war Dieb und Daphnis Hirtendichter.
Hermes hatte auch ein Kind mit Aphrodite (seiner Schwester) und diese gebar Hermaphroditus – der Zweigeschlechtliche mit Frauenbrüsten.
Artemis
Hier müssen wir etwas weiter zurück gehen. Ich hoffe man erinnert sich an Kronos, der seinem Vater Uranus das Genital mit der Sichel abschlug. Kronos war ein Titane und hatte 11 Geschwister (also 12 Titanen). Zwei davon hießen Phoibe und Koios und diese zeugten Asteria und Leto. Leto und wer sonst außer Zeus machten dann Artemis und Apollon.
Artemis war anders als ihr Vater Zeus und ihre Halbschwester Aphrodite und bat um Jungfräulichkeit. So wurde sie mit Pfeil und Bogen die jungfräuliche Göttin der Jagd und wurde auch Diana oder Titania genannt (bekannt durch die Figur in Shakespeares Sommernachtstraum).
Hiermit beende ich meinen zweiten Teil der Kurzgeschichte von der Götterwelt und komme das nächste Mal zu den Halbgöttern.
I – Geschichten der griechischen Mythologie
Pantheon – griechischer Götterhimmel
Die griechische Mythologie ist nichts anderes als eine Ansammlung von vielen Teilgeschichten einer großen Familiensaga (Schwanitz, S. 42). Alles begann mit der von Uranus begangenen Inzest mit seiner Mutter Gäa aus der die Zyklopen und die Titanen entsprangen. Nachdem Uranus die Zyklopen in den Tartarus schmetterte, gab Mutter Erde (Gäa) ihrem Jüngsten eine Sichel mit der er die Manneskraft seiner Vaters abschneiden sollte. Das Genital viel ins Meer und aus diesem wurde Aphrodite (die schaumgeborene Liebesgöttin) geboren.
So bestieg der Jüngste, Kronos, der seine Schwester Rhea heiratete, den Thron. Nachdem auch ihm das selbe Schicksal ereilen sollte, wie das seines Vaters, nämlich von seinen eigenen Kindern entthront zu werden, fraß er all seine Kinder auf. Nur eines brachte Rhea zu seinem Schutz auf die Insel Kreta, nämlich Zeus. Als Zeus erwachsen geworden war, schlich er sich zu seinem Vater und mischte Brechmittel in seinen Ouzo, woraufhin Kronos alle seine Kinder wieder ausspie. Die Folge waren lange Kriege zwischen Vater und Kinder und schließlich konnte die drei Söhne Zeus, Poseidon und Hades ihren Vater töten. Als auch die Titanen die Flucht ergriffen und ihr Anführer Atlas von da an als Strafe den Himmel tragen mußte, teilten sich die drei männlichen Kinder die Welt: Hades bekam die Unterwelt, Zeus das Land und Poseidon das Meer.
Athene
Zeus war nun der neue Herrscher über die Götter und er begann seine Regierung mit der Vergewaltigung der Titanin Metis. Und abermals wurde auch Zeus vorausgesagt, dass sein Kind ihn entthronen wurde und so verhielt sich Zeus nicht anders als seine Väter zuvor und schluckte Metis mit samt dem ungeborenen Kind. Nach einigen Monaten gebar er jedoch, nach einem Anfall von Kopfschmerzen, Athene (die Göttin der Weisheit) aus seinem Kopf.Dass Zeus nicht nur Kinder mit seiner Gattin Hera hatte, ist am Stammbaum der griechischen Götter sehr gut ersichtlich. Jedenfalls gibt es einige Geschichte über die Tricks Zeus’ um sich in das Bett einer anderen zu schleichen.
Dionysos
… war Sohn von Zeus und bekannt durch seine radikalen Charakter und berauschenden Feste. Überall wo er hinkam, machte sich eine manische Stimmung breit und so wurde die Tragödie nach Athen gebracht.
Die Büchse der Pandora
Der Bruder von Atlas, Prometheus, war der Schöpfer der Menschen. Er war es, der Zeus hinterging und den Menschen das Feuer brachte. Zeus erboßt durch diese Tat erschuf die schöne Frau Pandora, der er eine Büchse gab mit allen Plagen der Menschheit. Pandora wurde zu Prometheus’ Bruder Epimetheus geschickt aber Prometheus warnte ihn die Büchse zu öffnen. Als Strafe wurde Prometheus an einen Felsen gebunden und jeden Tag kamen zwei Adler und fraßen an seiner Leber. Prometheus wurde dadurch das Sinnbild des Lichtbringers und des Revolutionärs.
Schwanitz, Dietrich. Bildung. Alles was man wissen muß. Goldmann Verlag, 2002. S. 41-49. ISBN-13: 978-3442151479.
Die Merowinger oder die totale Familie
Es handelt sich bei dem Buch „Die Merowinger“ nicht um eine historische Abhandlung des Geschlechts der Merowinger, sondern um Childerich von Bartenbruch (kurz: Childerich III., den es tatsächlich gab. Er war der letzte vom Geschlecht der Merowinger, bis dieses von den Karolinger verdrängt wurde.), der die totale Familie darin findet, indem er sein eigener Großvater, Cousin, Onkel, Neffe, Vater, Schwiegervater als auch -sohn und so weiter werden möchte und auch wird. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er unzähliger Male seine eigene Sippschaft heiraten und aufgrund seiner Potenz fehlt es auch nicht an Nachkommen. Humorvoll unterlegt wird sein Bestreben nach inzestiösen Familienglück unter anderem durch seine Wutausprüche, die von Dr. Horn mittels, man möge sagen, alternativer Therapien behandelt werden.
Doderers geniale und feine Sprache wird in dem Buch „Die Merowinger“, welches neben den Werken „Die Strudlhofstiege“, „Die Dämonen“ u.a. wie ein Nebenbüchlein Doderers im Bücherregal steht, mit rauem Humor durchzogen. Ein österreichischer Roman, der in jeder österreichischen Büchersammlung nicht fehlen darf.
von Doderer, Heimito. Die Merowinger oder die totale Familie. Dtv, 1990. ISBN-13: 978-3423113083.