Café Griensteidl
Eine gute heiße Schokolade mit Schlag, ein Buch und vielleicht ein warmer Topfenstrudel,… wie gern habe ich beim Lesen die Gesellschaft, die mich nichts angeht und doch da ist. Das Café Griensteidl ist in letzter Zeit eine meiner Lieblingsleseecken und das nicht nur wegen der heißen Schokolade.
Das Café wurde 1846 gegründet und war im 19. Jahrhundert Treffpunkt vieler Persönlichkeiten, vor allem in literarischen Kreisen. Schnitzler, Altenberg, Bahr u.a., alles Vertreter des Schriftstellerkreises „Jung-Wien“, trafen sich am Michaelerplatz. Kurz vor der Jahrhundertwende wurde das Café geschlossen, erst 1990 an der gleiche Stelle wiedereröffnet und ist heute neben den Stammkunden hauptsächlich ein Touristencafé.
So mancher mag fürchten, dass es als Wiener ein Unangenehmes sei von Touristen geplagt seinen Kaffee schlürfen zu müssen, doch entsteht dieses Gefühl im Griensteidl nur all zu selten. Gerade ein Schmunzeln kommt mir auf die Lippen, wenn ich neben den alteingesessenen Wienern, ernst in der Presse oder dem Standard lesend, der Melange am Tisch und zu Mittag daneben die Sacherwürstel stehend, je nach Jahreszeit französisches Geplapper höre, oder den Schreck vieler Leuten im Augenwinkel sehe, die feststellen, wie teuer doch nicht ein Espresso sein kann oder den Niederländern anmerke, wie verwundert sie doch jedes Mal das einfach nicht lächeln wollende Gesicht der Wiener Kellner bestaunen. Man beobachte auch die Chinesen, die mit Chenglish und wildem Gestikulieren was auch immer bestellen möchten oder die Gruppen, von denen nur ein Mitglied der deutschen oder der englischen Sprache mächtig ist (und das meist nur gebrochen), und die restliche Gruppe starrt auf die stets in der Mitte sitzenden, leicht geröteten Person, die mit dem Kellner kommuniziert (…irgendwie halt). Nein, es wäre kein Café und es wäre nicht in Wien, ohne die ausländische Geräuschkulisse.
Aber ein großer Punkt, neben all dem Erwähnten, der heißen Schokolade, den Touristen (den nationalen und internationalen) und der großen Zeitungsauswahl, dieser Faktor, der mich immer öfter dorthin treibt für Tratsch und meine Leserei, ist die Tatsache, dass das ganze Lokal rauchfreie Zone ist. Nichts gegen eine gute Zigarre, einen frischen Zigarillo und auch der derben Zigarette sei der Platz gewährt, aber ich muss es einfach nicht haben, nach jedem Cafébesuch nach Hause zurückzukehren, im Vorzimmer mit verzogener Nase die Sachen von mir fallen lassen zu müssen und auch noch spät Abends in die Dusche zu hüpfen, weil meine Haare wie eine ausgeblasene Fackel riechen.
Also, Fazit, ein Hoch auf die globale rauchfreie Zone im Café Griensteidl, und natürlich die heißen Schokolade. Mehlspeisenliebhaber kommen übrigens dort auch nicht zu kurz. Und falls es wen interessiert oder es wer brauchen kann, die Öffnungszeiten sind täglich von 8.30 Uhr bis 23.30 Uhr.