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Das sogenannte Böse

mit 3 Kommentaren

Das sogenannte Böse von Konrad LorenzKonrad Lorenz illustriert in seinem Buch „Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression“ mittels einer Vielzahl von bildhaften Beschreibungen von aggressivem Verhalten im Tierreich, wie die Aggressivität des Menschen zu verstehen ist. Nach Lorenz sind dem Menschen (wie auch jedem Tier) überlebenswichtige Triebe angeboren, u.a. der Aggressiontrieb, der zur Aufgabe die Selbstverteidigung, die Nahrungsmittelrevierverteidigung und die Ausbildung von Hierarchien hat. Wie bereits erwähnt, basiert seine Argumentationslinie auf vielen Beispielen im Naturreich, vor allem auf Beobachtungen seinerseits von aggressivem Verhalten bei Fischen (Korallenfische lebend im Habitat und/oder im Aquarium) und verschiedenen Arten von Gänsen.

Da Lorenz die Aggression zwischen den Menschen untersucht, geht er im Besonderen auf die intraspezifische Aggression (Aggression innerhalb der Art) ein. Hier skizziert er einerseits die blutigen Kämpfe zwischen zwei Fischen gleicher Art, als auch die „ritualisierte Form“ von Aggression intraspezifischer Natur. Letzteres dient dem Sinn der Arterhaltung, da ein Zurschaustellen der Aggression, d.h. Drohgebärden, um seinen Standpunkt seinem Gegenüber klar zu machen, meist ausreicht und ein tätlicher Kampf nicht vonnöten ist. Würden solche Kämpfe tatsächlich immer blutig verlaufen, würde sich die Art selbst vernichten und dies wäre wider der Natur. Mit dieser Evolution haben sich verschiedene Formen von Mechanismen entwickelt ohne tätlicher Aggression seinen Platz bzw. sein Revier definieren zu können: Hier sind z.B. Duftmarkierungen oder auch bei der Paarungssuche das prachtvolle Haarkleid von Vögeln zu nennen.

Mittels induktiver Forschungsmethode schließt Lorenz von der Verhaltenslehre im Tierreich auf das Aggressionspotential des Menschen, das er auch beim Homo sapiens den Trieben zuschreibt. Er ermahnt den Leser rein den behavioristischen Ansatz als Erklärungsmodell herzunehmen und gibt u.a. das Beispiel der „non-frustration children“ an. [In Amerika wurde der Versuch gemacht, Kinder vor jeglicher Enttäuschung und Ermahnung zu schützen. Indem sie eine "schöne Umgebung" vorgelebt bekamen, sollte ihr aggressives Verhalten nahezu bei Null liegen. Die Kinder legten jedoch ein äußerst freches Verhalten an den Tag und die Erziehungsmethode war gegen den Erwartungen nicht aggressionsmindernd sondern eher -fördernd.] Die Lösung für eine Minderung der Aggression zwischen der Menschen liegt also nicht in der Umgebung, die sie erzieht, sondern liegt im Menschen selbst. Ist er erst bereit – und hiermit verteidigt Lorenz 1963 massiv den Darwinismus und die Verhaltensforschung – sich seiner selbst in dem Sinn bewußt zu werden, dass er von Trieben geleitet ist, wird er auch fähig sein, den Aggressionstrieb seiner Vernunft zu unterstellen. Da lt. Lorenz Aggression mit dem „psychohydraulischen Instinktmodell“ zu erklären ist, d.h. das „Becken“ füllt sich solange auf, bis es übergeht und eine Entladung (zeigen von Aggression) notwenig ist, sind Sport und andere Abreagierungstätigkeiten Mittel um Aggression zwischen Menschen zu vermeiden.

Lorenz erklärt somit, dass wenn der Mensch fähig ist, seine Aggression zu kontrollieren und sich selbstständig rechtzeitig abreagiert, besteht die Möglichkeit die Menschheit wesentlich zu verbessern, mit anderen Worten: Lorenz gab mit diesem Buch vielen Menschen Hoffnung, dass sie nicht in ihrer Umgebung, an der sie nichts ändern können, gefangen sind und damit ihr aggressives Verhalten nicht lenken können, sondern, dass sie frei in ihrem Verhalten sind und es mit genügend Verständnis individuell beherrschbar ist.

Lorenz, Konrad. Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. Dtv, 1998. ISBN-13: 978-3423330176. (Text bezieht sich auf eine ältere Ausgabe des Buches aus dem Jahre 1985.)

Geschrieben von blanque

Montag, 21 Januar 2008 um 21:02

3 Antworten

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  1. [...] Siehe auch Rezensionen “Anatomie der menschlichen Destruktivität” und “Das sogenannte Böse“. [...]

  2. Was ist die Botschaft des Beitrags?

    Leuchtspur

    Mittwoch, 23 Januar 2008 um 21:28

  3. Vielleicht war es nicht so gut ersichtlich, aber die Botschaft dieses Beitrags ist keine andere als die Botschaft des Buches selbst. Es ist einfach eine Rezension, die einerseits aufgrund des Artikels „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ geschrieben wurde und weiters als Informationsstütze dem Artikel „Kurzdiskussion Fromm vs. Lorenz“ dient. Die Botschaft des Artikels, also die Botschaft die ich dem Buch von Lorenz entnehmen konnte, ist (zusammenfassend) im letzten Satz des Artikels zu finden.

    blanque

    Donnerstag, 24 Januar 2008 um 10:06


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