Die Merowinger oder die totale Familie
Es handelt sich bei dem Buch „Die Merowinger“ nicht um eine historische Abhandlung des Geschlechts der Merowinger, sondern um Childerich von Bartenbruch (kurz: Childerich III., den es tatsächlich gab. Er war der letzte vom Geschlecht der Merowinger, bis dieses von den Karolinger verdrängt wurde.), der die totale Familie darin findet, indem er sein eigener Großvater, Cousin, Onkel, Neffe, Vater, Schwiegervater als auch -sohn und so weiter werden möchte und auch wird. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er unzähliger Male seine eigene Sippschaft heiraten und aufgrund seiner Potenz fehlt es auch nicht an Nachkommen. Humorvoll unterlegt wird sein Bestreben nach inzestiösen Familienglück unter anderem durch seine Wutausprüche, die von Dr. Horn mittels, man möge sagen, alternativer Therapien behandelt werden.
Doderers geniale und feine Sprache wird in dem Buch „Die Merowinger“, welches neben den Werken „Die Strudlhofstiege“, „Die Dämonen“ u.a. wie ein Nebenbüchlein Doderers im Bücherregal steht, mit rauem Humor durchzogen. Ein österreichischer Roman, der in jeder österreichischen Büchersammlung nicht fehlen darf.
von Doderer, Heimito. Die Merowinger oder die totale Familie. Dtv, 1990. ISBN-13: 978-3423113083.