Wortbeitrag

Rezensionen, Kommentare und Tee

Pest in Oran

Hinterlasse einen Kommentar »

Die Pest von Albert CamusAlles begann mit den Ratten. Sie quollen hervor aus den Tiefen der Abwassersysteme, nie vermutet, dass es so viele von ihnen gab, als ob die Stadt all ihren Dreck, den sie Jahrzehnte hinweg schlucken musste, wieder ausspie.

Albert Camus schreibt in seinem Buch „Die Pest“ über die Stadt Oran, die im Jahr 194’ (sic!) von der Pest heimgesucht wird. Doch mehr als die Geschichte in dem Buch zählen die Charaktere, die auf unterschiedliche Art und Weise einerseits das Leben im Exil fristen und andererseits die Ereignisse und den Prozess der Krankheit zu verstehen versuchen. Camus packt die Figuren in der Einleitung in eine bestimmte Umgebungskiste ein, die sie zu bestimmten Verhaltensweisen zwingt. Aufgrund der extremen Bedingungen, denen alle gleichermaßen ausgesetzt sind, verändern sie sich im Laufe der Geschichte, können oder wollen ihr begrenztes Feld dennoch nicht verlassen. So bleibt der Freiheitssuchende seiner Sehnsucht treu, der Pflichtbewusste gibt bis zum Ende seine Verantwortung nicht ab, der Priester hält trotz allem pflichtbewußt an seinem Glauben fest, und der scheinbar lichte Moment des Wahnsinnigen während der Pestzeit verfällt doch wieder seinem Wahn.

Gemein haben alle, gespiegelt durch die Figur „Allgemeinheit“, die Empfindung des Getrenntseins – ob vom Geliebten, von der Außenwelt oder von der Freiheit.

Albert Camus beschreibt mit seiner außergewöhnlichen Sprache und seinem objektiven Verständnis eine extremen Situation und wie sehr diese Menschen verändern kann und von einem anderen Blickwinkel aus, wie gleich doch alles bleibt und mit welcher Robustheit und Nüchternheit die Leute ihrem Alltagstrott nachgehen, obwohl ihresgleichen neben ihnen verreckt.

Camus, Albert. Die Pest. Rowohl Tb, 2007. ISBN-13: 978-3499225000

Geschrieben von blanque

Dienstag, 1 Januar 2008 um 12:59

Veröffentlicht in Bücher, Rezensionen, Romane

Getaggt mit , , ,

Eine Antwort schreiben