Hitlers Teufel
Kann man an den Teufel glauben, aber nicht an Gott? Ich könnte nicht an Gott glauben, wenn ich nicht auch an den Teufel glauben würde, aber ich könnte mir vorstellen, an etwas Übersinnliches, Böses zu glauben ohne an einen Gott zu glauben.
Norman Mailer schreibt in seinem Buch “Das Schloss im Wald” über Hitlers Geburt und Kindheit, seine Familie, und wie Teufel es schaffen, sein Leben in eine gewisse Richtung zu lenken. Ich las in einigen Rezensionen, dass es nicht richtig sei, dem Teufel die Schuld für Hitlers Taten zu geben. Und ich frage mich, warum nicht? Für so viele Dinge wird der Teufel verantwortlich gemacht, warum auch nicht für Hitlers “Verbrechen” indem seine Seele von klein auf gelenkt wurde. Eine Seele, die aus einst innigen und inzestiösen Liaisonen entstanden ist. Diese Verkümmerung, der Wahnsinn und das Talent zur Macht schlüpften aus der mütterlichen Vagina heraus und fanden des Teufels Gunst. Er fand in Hitler das passende Fundament für eiskalte Taten und kümmerte sich um ihn, indem er ihn verletzte und ihn vor Enttäuschungen stellte, bis sich ein Mann erbaut hatte, der Führer war – und ja, der Teufel hat sein Gebäude gut errichtet, denn man folgte dem Zniachterl und sah Gutes in seinen Gräueltaten,… bis Gott es stoppen konnte.
Mailer schreibt über unser Marionetten-Dasein, ein endloses Schachspiel zwischen Gott und dem Teufel; und wenn ein Bauer fällt so steht dieser manchmal für ein paar Millionen Menschen. Sieht man Norman Mailer selbst als Schachfigur an, so sah er sich in dem Buch als jemand, der eine erlebte Geschichte niederschreibt, obwohl er es nicht dürfte, weil der Oberteufel etwas dagegen haben könnte. Mailer starb kurz nach der Veröffentlichung seines Buches.
Mailer, Norman. Das Schloss im Wald. Langen/Müller, 2007. ISBN-13: 978-3784431048.