Bodies
Ich war vor kurzem in der Ausstellung „Bodies“ (Gasometer); kurz davor hatte ich herausgefunden, dass diese Ausstellung nicht das Original von Günther von Hagens, „Körperwelten“, ist, sondern eine Nachahmung – Organisator unbekannt. Einzig geklärt ist, dass die Ausstellung aus Amerika kommt und von eben dort organisiert wird. Wie auch immer, wollte ich sie mir dennoch ansehen… leider eine Enttäuschung:
- Die Austellung fehlt es an Struktur. Die Ausstellungsstücke, ob ganzer Körper, oder auch einzelne Organe stehen im Raum ohne jeglichen Zusammenhang. Erklärungen auf kleinen Tafeln sind eher nach dem Motto „Medizin für Sensationsdummies“ aufgebaut…
„Wußten Sie: Das Herz schlägt 80 Jahre lang immer gleichmäßig!“ Würde unser Herz tatsächlich immer gleichmäßig schlagen, wären uns Vergnügungen, wie ein Fortpflanzungsritual (welches wohl den Beitrag zur Existenz der Menschheit liefert) wohl untersagt. - Die ausgestellten Präparate wirken „unmenschlicher“, also unechter, als die Präparate der Ausstellung Körperwelten. Manche Organe wirken überhaupt komplett nachgebildet.
- Der medizinische Aspekt wird weder beleuchtet, noch näher erörtert. Laien sind bei dieser Art der Präsentation sehr verloren. Das Motto der Ausstellung „Fettleibigkeit, Raucher etc.“ existiert dezent angedeutet bei manchen Stücken, bringt aber keinen zum Nachdenken. Auch Krankheiten, wie eben Fettleibigkeit, Lungenkrebs etc., sind kaum erklärt, es fehlen jegliche Ursachenuntersuchungen und Erklärungen zur Verbindung vom Handeln der Leute und den selbstzerstörerischen Konsequenzen. Das Motto geht somit verloren und ist irrelevant in der Ausstellung selbst.
- Die Ausstellung ist sehr schnell abgegangen. Der Eintrittspreis in Höhe von €20,- ist viel zu hoch gegriffen und nicht gerechtfertigt.
Bodies ist eine Ausstellung, die in jeglicher Hinsicht eine Ausstellung unbekannter Herkunft ist. Keine Informationen über den Erschaffer der Exposition. Die ausgestellten Präparate sind ausschließlich Asiaten; klarer Weise steht angeschrieben, dass sich die Personen freiwillig bereiterklärt haben ihren Körper für diese Ausstellung präparieren zu lassen, dennoch begleitet einem beim Durchgehen ein suspektes Gefühl, ein Fehlen dieser Freiwilligkeit.
Meine Empfehlung: Warten bis das Original „Körperwelten“ wieder in Wien stattfindet.
Links zu den Homepages: Bodies, Körperwelten
Arbeitswelt
Endlich komme ich dazu ein paar Worte zu schreiben und in Kürze meine Artikel über die griechische Mythologie zu verbessern und neue zu verfassen. Aber vorweg, die Begründung: Die Arbeitswelt hat mich nun doch erwischt. Nun, diesmal wurde das Maß der zwanzig Stunden pro Woche überschritten – ein Maß, das einem viel kostet. Die noch verbleibende Zeit der Woche, verbringt man entweder mit ausruhen und ausschnaufen oder mit Dingen, die erledigt werden müssen. Wenig ist da noch Lust und Zeit für etwaiges Freizeitprogramm, welches ich noch vor drei Monaten doch sehr intensiv gelebt hatte.
Tragisch finde ich nur, dass mich die Arbeitswelt zwar hat, aber sie mich gerade einmal 34 Stunden vereinnahmt. Was wird wohl in einem halben Jahr sein, sechzig,…, siebzig Stunden unentwegt ein Büro; die dann noch verbleibenden Stunden verbringe ich dann wirklich nur mehr mit Putzen, Aufräumen und dem Ruhegrant, der Grant, den man sich leisten kann, weil man jetzt Ruhe hat, haben den man hat, weil man weiß, wie kurz diese ist. Wer wünscht sich das? Kein Schwein – also, warum? Die wirtschaftlich treibenden Kräfte bedingen ein Aussaugen vom Faktor Mensch? Na klar, aber wieso? Wir haben die Wirtschaft in der Hand, wir sind diejenigen, die den Knopf vor der Nase haben und ihn abschalten könnten, wann immer wir wollten, und dennoch folgen wir hechelnd den Regeln der Wirtschaft, vergessen, dass wir sie selbst aufgestellt haben. Sicher, kommt jetzt die Frage, ob wir wirklich so leicht den Knopf drücken könnten oder nicht, ob nicht alles zusammenbrechen würden… Möglich, wahrscheinlich, aber nicht sicher! Wir haben nur Angst.
Mehr, wann immer ich wieder dazukomme. Gute Nacht.
Holzfällen
Ein nicht sonderlich erfolgreicher Schriftsteller sitzt auf einem Ohrensessel bei einem künstlerischen Abendessen, zu dem er nicht erscheinen wollte, aber dennoch gekommen ist und lässt sitzend in diesem Ohrensessel nicht nur die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren, wie der Umstand des Todesfalls einer lang nicht gesehenen, aber dennoch stark gemochten Freundin, das Ja-Sagen zu dieser Einladung zum künstlerischen Abendessen verursacht hat, sondern erinnert sich auch an die Zeit zu der er diese Freundin noch gut kannte, und an ihre als auch damals seine Gesellschaft, die sie umgab. Während dieses Abendessen nicht beginnen kann, weil alle auf einen Burgschauspieler warten, der viel zu spät nach seiner Vorstellung im Burgtheater ankommt, lästert der Schriftsteller unablässig über die Verlogenheit und Dekadenz der Wiener Künstlergesellschaft. Er debattiert mit sich selbst, wie lange er doch dieser ignoranten Gesellschaft entkommen ist und nun mit einem Schlag wieder die verhassten Gesichter, die hochmütigen Nasen, falsch und voller Heuchelei, ertragen muss, und mit welcher Taktik er wieder in diese, nämlich eben diese Gesellschaft, hineingesogen wurde. Bei all dem Mokieren über die Künstlergesellschaft, beginnt er sich selbst zu verachten, denn er war und ist nun wieder Teil von ihr, und anstatt geradlinig ihr den Rücken zu kehren, führte ihn seine eigene Verlogenheit an diesem Abend zu der Einladung, zu dem künstlerischen Abendessen. So richtet er das widerwärtig abstoßende Gefühl nicht nur gegen sie, die Gesellschaft, sondern auch gegen sich selbst; eine Tatsache, die eine magenumdrehende Wirkung erzeugen muss.
Der Künstler kommt schließlich, lässt seine Gefallsucht befriedigen und beherrscht jedes notwendige Detail, um den gegebene Schleim wieder retour mit gekonntem Charme zurückzuschmieren. Doch eine der Anwesenden greift den Burgschauspieler an und er rutscht plötzlich in eine ehrliche Welt ab und sagt allen gehörig die Meinung, bis alle wieder da enden, wo sie bereits seit Jahren sind, die Welt in der die Knollen höher getragen werden, selbst wenn es dort oben nichts zu riechen gibt. Alle gehen, verabschieden sich und auch der Schriftsteller vollführt seinen Part gekonnt, trotz anschließendem Übelsein.
Das Buch liest sich trotz seiner langen Sätze, fehlenden Absätze und nicht existenten Kapiteln flüssig und direkt. Das Buch ist eine Verteilung von Watschen an genau jene Künstlergesellschaft, die sich bei Veröffentlichung des Buches angesprochen und angegriffen fühlten, mit sprachlicher Direktheit und doch mit der gleichen feinen Ignoranz, die diese Gesellschaft aufopfernd lebt.
Wie auch immer, muss ich sagen, dass mich das Buch gelangweilt hat. Die Klagen selbst, scheinen eben genau die gleiche langweilige Leere zu haben, wie die heuchlerische Welt aus vielen Luftblasen, aus der diese Gesellschaft bestand und besteht.
Café Griensteidl
Eine gute heiße Schokolade mit Schlag, ein Buch und vielleicht ein warmer Topfenstrudel,… wie gern habe ich beim Lesen die Gesellschaft, die mich nichts angeht und doch da ist. Das Café Griensteidl ist in letzter Zeit eine meiner Lieblingsleseecken und das nicht nur wegen der heißen Schokolade.
Das Café wurde 1846 gegründet und war im 19. Jahrhundert Treffpunkt vieler Persönlichkeiten, vor allem in literarischen Kreisen. Schnitzler, Altenberg, Bahr u.a., alles Vertreter des Schriftstellerkreises „Jung-Wien“, trafen sich am Michaelerplatz. Kurz vor der Jahrhundertwende wurde das Café geschlossen, erst 1990 an der gleiche Stelle wiedereröffnet und ist heute neben den Stammkunden hauptsächlich ein Touristencafé.
So mancher mag fürchten, dass es als Wiener ein Unangenehmes sei von Touristen geplagt seinen Kaffee schlürfen zu müssen, doch entsteht dieses Gefühl im Griensteidl nur all zu selten. Gerade ein Schmunzeln kommt mir auf die Lippen, wenn ich neben den alteingesessenen Wienern, ernst in der Presse oder dem Standard lesend, der Melange am Tisch und zu Mittag daneben die Sacherwürstel stehend, je nach Jahreszeit französisches Geplapper höre, oder den Schreck vieler Leuten im Augenwinkel sehe, die feststellen, wie teuer doch nicht ein Espresso sein kann oder den Niederländern anmerke, wie verwundert sie doch jedes Mal das einfach nicht lächeln wollende Gesicht der Wiener Kellner bestaunen. Man beobachte auch die Chinesen, die mit Chenglish und wildem Gestikulieren was auch immer bestellen möchten oder die Gruppen, von denen nur ein Mitglied der deutschen oder der englischen Sprache mächtig ist (und das meist nur gebrochen), und die restliche Gruppe starrt auf die stets in der Mitte sitzenden, leicht geröteten Person, die mit dem Kellner kommuniziert (…irgendwie halt). Nein, es wäre kein Café und es wäre nicht in Wien, ohne die ausländische Geräuschkulisse.
Aber ein großer Punkt, neben all dem Erwähnten, der heißen Schokolade, den Touristen (den nationalen und internationalen) und der großen Zeitungsauswahl, dieser Faktor, der mich immer öfter dorthin treibt für Tratsch und meine Leserei, ist die Tatsache, dass das ganze Lokal rauchfreie Zone ist. Nichts gegen eine gute Zigarre, einen frischen Zigarillo und auch der derben Zigarette sei der Platz gewährt, aber ich muss es einfach nicht haben, nach jedem Cafébesuch nach Hause zurückzukehren, im Vorzimmer mit verzogener Nase die Sachen von mir fallen lassen zu müssen und auch noch spät Abends in die Dusche zu hüpfen, weil meine Haare wie eine ausgeblasene Fackel riechen.
Also, Fazit, ein Hoch auf die globale rauchfreie Zone im Café Griensteidl, und natürlich die heißen Schokolade. Mehlspeisenliebhaber kommen übrigens dort auch nicht zu kurz. Und falls es wen interessiert oder es wer brauchen kann, die Öffnungszeiten sind täglich von 8.30 Uhr bis 23.30 Uhr.
Mann und Frau
Der zweite Teil der Trilogie Zeruya Shalevs handelt über ein israelisches Ehepaar, denen es nicht an Liebe zueinander fehlt, aber ein Stau von Gefühlen, Urteilen und Vorwürfen, die Beziehung dermaßen überschattet, dass die Ehe zu einer aussichtslosen, kränkenden Stagnationssituation geworden ist, die beide Partner unglücklich macht. Die tief greifenden Gründe für das Scheitern der Ehe liegen in zwei längst vergangen Ereignissen, die nie verziehen wurden. Na’ama hat sich zu Schulden kommen lassen, dass sie ihren Mann Udi, vor der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, geistig (nie körperlich) mit einem Maler betrogen hat. Der Maler liebte sie, ihre Schönheit und Anmut, hat sie aber in ihrer Freiheit nie eingeengt. Als Na’ama von ihrem Mann erblickt wurde, als sie beim Fremden am Fenster stand, hat sie ihr Gewissen, ihre Schuld dermaßen aufgeblasen, dass Udi ihren Betrug nicht verkraften konnte. Das Ereignis auf Udis Seite war, dass er seine herzgeliebte Tochter als Baby vom Balkon hat fallen lassen. Das Kind trug keine Schäden von dem Unfall, dennoch konnte Na’ama die Unachtsamkeit ihres Mannes ihm nie verzeihen. Die innige Beziehung zwischen Tochter und Vater ging verloren.
Die gegenseitigen Vorwürfe und Beleidigungen in der Beziehung sind für Udi und Na’ama zu einem verzweifelten Alltag geworden und beide sind allein in ihrem gemeinsamen nicht aufhören wollenden ermatteten Strudel. Na’ama empfindet keinen Stolz bei dem was ihr Mann macht, der Reiseführer ist und immer wieder lange Zeit von zu Hause weg ist und Udi beleidigt Na’amas Kampf als Sozialarbeiterin für junge schwangere Mädchen. Durch und durch fehlt es der Ehe an Akzeptanz, Aufklärung und Vergebung, dass kein Weg aus diesem Frust zu existieren scheint, bis Udi eines Morgens mit schwer psychosomatischen Zuständen aufwacht. Anfangs ist er gelähmt, später verliert er sein Augenlicht für kurze Zeit, dann überkommt ihn wieder die Bewegungslosigkeit. Udis Krankheit scheint nach Wochen der Bettlägerigkeit nicht aufhören zu wollen.
Ihre gemeinsame Tochter Nogi, zu verwöhnt aufgezogen nach ihrem Unfall und ausgestattet mit einem starken kindlichen Egoismus, flammt die beruhigenden Momente zwischen Mann und Frau, die sich während der Krankheit immer wieder zu erkennen geben, wieder auf. Sie erschwert die Situation ungemein und füllt den wenigen Freiraum, die beide Partner nun hätten, um wieder zueinanderzufinden, auf und lässt nichts für Gutgesinnung in dieser Familie übrig.
Na’ama bittet schließlich eine Wunderheilerin ihnen zu helfen und tatsächlich bessern sich die psychosomatischen Erscheinungen von Udi. Na’ama erkennt da noch nicht, dass die Besserung eigentlich auf die Entscheidung von Udi beruht, die er nach seiner Genesung endgültig trifft, nämlich auszuziehen. Na’ama ist einerseits verzweifelt und wünscht sich ihren Mann zurück, der mit der Wunderheilerin davon gefahren ist, andererseits ist ihr innerer Kampf ihn halten zu wollen nur gering, da sie längst die Aussichtlosigkeit in der Beziehung gesehen hat. Na’ama hat daraufhin ein sexuelles Erlebnis mit einem Architekten, der sie kurzfristig zu leidenschaftlichen, ihr unbekannten, Höhen bringt, und vollzieht nun endlich ihren Betrug, der ihr all die Jahre vorgehalten wurde. Doch bald stellt sich heraus, dass es bei einer sehr kurzen Äffäre bleibt, da diese ihr scheinbar nur zu einem Abschluss ihrer eigenen Vergangenheit hilft, sie aber weder erfüllt noch weiter leidenschaftlich zu ungeahnten Erregungen bringt.
Während der Zeit, als Udi fort ist, findet Na’ama endlich einen Weg zu ihrer Tochter und eine Freundschaft entwickelt sich zu ihrem Kind. Alles beruhigt sich, die aufgestaute Wut findet endlich ihren Platz in der Vergangenheit, was dann plötzlich doch der ganzen Familie die Chance auf eine neue Zukunft, mit der vertrauten Liebe, gibt.
Zeruya Shalev hat es abermals geschafft, einen zwei Tage lang mit nichts mehr als Tee zu Hause festzuhalten. Die prekäre Situation in dieser Ehe, die bis zum Ende hindurch wirkt, als ob alles auf einem seidenen Faden hängt, endet schließlich doch mit dem, wenn auch unsicheren, Sieg der Liebe zueinander, selbst wenn Jahrzehnte der Wut beide Partner begleitet haben. Der Autorin gelingt es ein weiteres Mal, einem seine eigenen Fehler in Beziehungen zu Menschen zu zeigen, obwohl die Protagonisten einem, so wie im ersten Teil, fremd vorkommen. Mit keinen der Charaktere könnte ich mich auch nur annähernd identifizieren, dennoch wurde mir beim Lesen meine eigene Naivität in Bezug auf Nächstenliebe bewusst.
Shalev, Zeruya. Mann und Frau. Berliner Taschenbuch Verlag, 2002. ISBN-13: 978-3833302695.
Schwarze Nächte und schwarze Katzen
Schwer liegt mein Körper im Bett. Ich spüre, wie meine Rundungen sich tief in die Matratze hineindrücken; mein Becken, mein Brustkorb pressen tiefe Mulden in das ungewohnte, weiche Bett. Meinen Kopf habe ich in zwei riesige Polster hineingelegt und ich spüre, wie der samtige Überzug meine Backen streichelt und rieche den frischen Geruch eines neu überzogenen Bettes. Ich bin so müde an dem Abend.
Noch vor einigen Stunden kam mir alles so bekannt vor. Jeden Tisch, jedes Glas, der Geruch von mütterlicher Liebe, alles erkannte ich wieder. Auswendig wusste ich nachwievor, wo ich nach Essen suchen musste, mit blinden Griffen zog ich ein Besteck aus der Lade hervor und setzte mich auf das bekannte Sofa, wie ich es oft früher tat. Nun liege ich im Bett, ich habe gerade ein Buch fertig gelesen, kurz ferngesehen und mich von dem Schnurren der schwarzen Katze beruhigen lassen.
Ich drehe das Licht ab, alle haben sich bereits auf ihren Schlafplatz gelegt und alle schlafen fest, nur ich nicht. Mir wird klar, dass mich alle Sinne bis jetzt betrogen haben, mir vorgegaukelt haben, wie bekannt doch alles ist; ein Organ jedoch, ist nun ehrlich zu mir und sagt, dass ich hier schon lange nicht mehr wohne, nicht schlafe und wie fremd doch alles geworden ist. Ich höre ein glucksen in der Heizung und stehe auf um sie abzudrehen, aber sie ist kalt. Aus dem Badezimmer, welches gegenüber von meinem Zimmer liegt, höre ich ein eigenartiges Tropfen. Und da, ein Ticken, ein Ticken – ich habe doch alle tickenden Uhren weggeräumt, ich bin es nicht gewohnt mit tickenden Uhren zu schlafen. Ich wälze mich im Bett und sage zu mir, einfach nicht auf die Geräusche zu hören und plötzlich merke ich, wie alles in mir erstarrt. Ein Knarren ist draußen zu hören, eindeutig, es waren zwei Schritte, aber keiner ist hier, nur ich und zwei Katzen und ihre Sanftpfötchen verursachen nur das Geräusch von Anpirschen. Ich bleibe diesmal im Bett, bewege mich nicht und kralle mich an der Bettdecke fest und nach fünf Minuten lasse ich mich wieder in die weiche Matratze sinken. Ich habe seit fünf Minuten nichts mehr gehört.
Stundenlang wälze ich mich hin und her, immer wieder erschrecke ich vor den geheimnisvollen Geräuschen, von denen ich nie gedacht habe, wie fremd sie mir geworden sind. Selten verging eine Nacht so langsam, wie die heutige und doch hat sie, irgendwann, den Morgen erreicht. Sie schwindet von meinem Fenster, der Tag lässt Licht in mein Zimmer und endlich, endlich kann ich schlafen. Ich drehe mich auf den Rücken, strecke meinen verkrampften Rücken von der Nacht aus, lasse mich verwöhnen von der weichen Decke. Die schwarze Katze hat sich wieder zu mir gesellt und tastet mit ihren Pfötchen den Überzug ab. Endlich fühle ich mich sicher, endlich kann ich meine Sinne wieder kombinieren und muss mich nicht nur auf mein Hören konzentrieren und dann, abermals ein Geräusch, dass ich nicht mit meinen Augen zuordnen kann, nichts bewegt sich, die Katze ist aufgestanden und schaut aus dem Fenster, nichts hätte ein Geräusch machen können, aber doch ist es deutlich zu hören. Ich rapple mich auf, falle aus dem Bett, ziehe mir schnell was an und renne hinunter, denn es hat an der Tür geläutet.
Musik und Blogschreiben
Ich höre Lounge-Musik. Sie begleitet mich oft während ich schreibe. Jeder Mensch hat seine eigene Musik, die seine Sprache unterstützt, es ihm leichter macht zu schreiben. Die Finger tippen dann ganz von alleine, schnell und zügig, so als wenn ich den Text schon längst durchdacht, jedes Wort schon längst bestimmt hätte. Hab ich das tatsächlich? Oder tippen sie wirklich ganz von alleine…?
Es gibt Musik, die spricht mit der Sprache, sie erleichtert mir das Schreiben ungemein und sie ermöglicht es mir an nichts anderes zu denken, als an meinen Versuch etwas niederzuschreiben. Meine Musikrichtungen, um die Gedanken spielender in Worte zu kleiden, sind Lounge, Jazz oder Klassik. Ich weiß nicht warum, auch bin ich nicht damit groß geworden, weder gewohnt (nagut mittlerweile schon), noch absichtlich angewöhnt. Es fiel mir eines Tages auf, und ich denke, dass viele Menschen die gleiche Musik brauchen, um flüssiger zu schreiben. Musikrichtungen als Konzentrationsspritze,…, sozusagen.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Störenfriede; diese Musikrichtungen machen einen regelrecht wahnsinnig und bei bestem Willen kann ich mich dann nicht konzentrieren. Grob zusammengefasst ist das bei mir die Musik, die im Radio dahinklempert (…seit Jahren immer das Gleiche). Kaum höre ich die Klänge von diesen Massensendestationen, bin ich genervt; als ob jeder Note mir eine Schups geben möchte, damit ich ja nicht auf meinem Stuhl sitzen bleiben kann ( – das soll nicht unbedingt heißen, dass sie mich zum Tanzen animieren).
Meine Finger, mein Geist, brauchen eben Jazz; keine Liedtexte, die vor Kreativitätsmangel strotzen, keine fünfzig wiederkehrenden Takte, die kaum eine Oktav ausfüllen. Aber wie gesagt, jede braucht seine eigenen begleitenden Noten zum verbalisieren seiner Gedanken.
Fromms Beispiel Adolf Hitler
Die Lebensgeschichte Adolf Hitlers
Ohne den genauen Inhalt von Fromms Buch wiederzugeben, so doch ein paar Eckpfeiler aus seinem Leben. Die Quellen, die Fromm herangezogen hat sind:
- B.F. Smith (1967): Adolf Hitler, His Family, Childhood and Youth,
- W. Maser (1971): Adolf Hitler, Legende, Mythos, Wirklichkeit,
- A. Kubizek (1953): Adolf Hitler, Mein Jugendfreund,
- A. Hitler (1925/26): Mein Kampf.
Hitlers Eltern Alois und Klara
Alois Hitler, geboren als uneheliches Kind mit dem Namen Schicklgruber (nach seiner Mutter), gelangte mittels eigener Kraft und Disziplin zu Erfolg als Beamter im österreich-ungarischen Zolldienst. Schließlich stieg er zur Stellung eines Oberoffizials auf und erlangte so trotz bäuerlicher Herkunft zu einer angesehenen Stellung im Bürgertum. Er war ein sparsamer Mann und genoss es stets mehrere Frauen (sexuell) zu lieben und hatte Interesse an der Bienenzucht. Er war zwar streng in seiner Erziehung (was zu dieser Zeit nicht unüblich war), aber keineswegs ein Tyrann (wie er oft dargestellt wird) und war im Großen und Ganzen einer der das Leben genoss, aber das mit Disziplin.
Klara Hitler, Alois’ Nichte und Frau, war eine freundliche und liebenswürdige Person, die immer mit vorzüglichster Genauigkeit den Haushalt führte. Sie war zwar gekennzeichnet durch die Schicksalsschläge (sie verlor Geschwister und ihre eigenen Kinder aufgrund deren schwachen Konstitution), kümmerte sich jedoch immer behutsam um die Kinder aus erste Ehe Alois’ und ihre eigenen.
Hitler als Kind
Adolf genoss bis zu seinem fünften Lebensjahr die volle Liebe seiner Mutter und durfte alles was er wollte. Im Kleinkindalter zeigte er, dass er die Mutter beherrschte, indem er mit Wutanfällen alles bekam, was er wollte. Als Adolf fünf war, bekam er einen Bruder, und wie zu erwarten, ist dies für alle Kinder, die zuerst alleine die Mutterliebe haben, immer eine Veränderung, wenn sie diese plötzlich teilen müssen. Hitler war jedoch lt. Quellen nicht eifersüchtig auf seinen Bruder und freute sich sogar auf ihn. Außerdem war zu diesem Zeitpunkt sein Vater ein Jahr lang in Linz und die Familie blieb wegen des Neugeborenen in Passau. Hitler konnte so tagtäglich mit seinen Freunden Kriegsspiele führen und genoss seine Freiheiten in dem Jahr als sein Bruder geboren wurde.
Eine größere Veränderung muss der Umzug nach Hafeld bei Lambach gewesen sein, als sein Vater in Ruhestand ging. Adolf kam ins Schulalter und lernte erstmals Disziplin und Freiheitseinengung kennen. Täglich ging er zu Fuß in die Dorfschule in Fischlam bei Hafeld, wo er sich (zumindest wirkte es so) gut einfügte und gute Noten schrieb. Nachwievor waren für Hitler die Soldatenspiele, in denen er seine Freunde neue Taktiken erklären konnte, äußerst wichtig und waren zu dem Zeitpunkt die Abwechslung zu seinem disziplinierten Schulleben geworden. Den Rest des Beitrags lesen »
Warum Tee?
Ein ganzes Jahr habe ich es versucht…, ein ganzes Jahr. Kaffee schmeckt mir einfach nicht. Er riecht gut, sieht schmackhaft aus und selbst jemandem einen Kuss zu geben, der gerade Kaffee getrunken hat, erinnert einen an eine frische kubanische Zigarre. Viele Sorten habe ich ausprobiert, und auch viele Zubereitungsarten (wobei „ein Latte“ meines Erachtens wohl kaum mehr den Namen „Kaffee“ tragen darf) – aber dennoch, dieser bittere Abgang, der meinen Gesichtausdruck bei noch so großer Zurückhaltung zu einer Grimasse verzerren lässt.
Und dann Tee…, ich liebe Tee. All die Sorten schmecken so unterschiedlich. Und sie können eines bei mir bewirken, dass kein Kaffee bis jetzt geschafft hat – eine kuschelige, warme und geborgene Atmosphäre. Durch Irish Breakfast, weiß ich das Morgen ist, durch Früchte, dass ich putze, durch Assam, dass ich mir heute was anderes gönne und durch Rooibos, dass es Abend wird und ich ein Buch lese oder wie jetzt einen Artikel schreibe.
Die Kaffeetrinker, die Mischtrinker und die Teetrinker – ich bin letzteres und nun macht es mir auch nichts mehr aus; mag Kaffee noch so gut riechen, so bleibt er mir nur als Geruch eine Wonne und nicht als Getränk.
Kurzdiskussion Fromm vs. Lorenz – unterschiedlichen Ansichten
Der folgende Eintrag ist eine Besprechung von Fromms Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ in dem er zu großen Teilen das Buch von Lorenz „Das sogenannte Böse“ kritisiert und Lorenz als Person und als Vertreter der Trieblehre nicht in der Welt der Psychologie des Menschen akzeptiert. Diese bescheidene Analyse soll einerseits Allgemein erfolgen und andererseits an einer von Fromms wichtigsten Elementen seiner These, nämlich, wie er den Begriff Charakter versteht.
Allgemeiner Diskurs
Fromms Kritik an Lorenz beruht einerseits auf der Tatsache, dass Lorenz ein Verhaltensforscher der Tierwelt ist und nicht den Menschen als eigentliches Untersuchungsobjekt „unter seinem Mikroskop“ hat und andererseits, dass Lorenz zu „salopp“ mit seiner Thesenerstellung vorgeht, indem er [tatsächlich] keine Literatur verwendet, um seine Thesen zu untermauern, und, dass er zu rasche Schlussfolgerungen [auch wenn sie vielleicht stimmen mögen] zieht, ohne [wie es scheint] eine wissenschaftliche Methodik dabei zu verwenden. Ein weiterer Punkt von Fromm ist, dass Lorenz’ Wahl der Tiere (eben hpts. Fische und Gänse) eher Arten sind, die, evolutionär gesehen, weiter vom Menschen entfernt sind als bspw. Affen und daher seine Folgerungen nur vage Annäherungen sein können und keine fundierten Beweise.
Konrad Lorenz hat sich der Verhaltungsforschung hingegeben und demzufolge ist er ein Forscher der stets den induktiven Weg der Methodik wählen wird – was er auch in seinem Buch angibt. D.h. seine Bekennung zu der eben erwähnten Disziplin erfordert von sich aus Induktion. In der Hinsicht, geht Lorenz keineswegs unachtsam vor, sondern führt viele Beispiele von aggressivem Verhalten bei Tieren an [auch wenn man hier das Argument bringen könnte, dass die aufgezählten Beispiele zu wenige sind, um Thesen aufstellen zu können]. Gegenteiliges ist bei den Beispielen von Aggressivität bei Menschen zu finden; diese Exempel scheinen weder gut ausgewählt noch ausreichend beobachtet worden zu sein. Worin ich also Fromm durchwegs recht gebe, ist, dass Lorenz zwar in seinem Gebiet sehr versiert ist, sein Induzieren aber dann vorschnell durchführt und die Äquivalent-Beispiele vom Menschen nie hundertprozentig passend erscheinen. Den Rest des Beitrags lesen »